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| '''Segregierung der Funktionen vs. Mehrzwecknutzung'''
| | Heute, wo der Wald nicht nur als Produktionsstätte, sondern auch als Lebensraum und |
| | | Landschaftsteil betrachtet wird, ist es notwendig, die Möglichkeiten der Ressourcennutzung aus |
| Wie aus der historischen Entwicklung ersichtlich ist, hat sich die Nutzung der Ressourcen aus
| | dem Wald unter verschiedenen räumlichen Massstäben zu betrachten. Die für die |
| dem Walde im Laufe der Zeit wesentlich verändert. Im primitiven Sinne, nämlich der reinen
| | Waldentwicklung festgestellten Grundeinheiten (die Bestände) können wie Bausteine in |
| Sammelwirtschaft von Holz, besteht die Waldpflege in einer elementarsten, einfachsten Form
| | übergeordnete Gebilde integriert werden. Diese sind je nach Zweck: Waldbetriebe (für die [[Produktion|Produktion]] oder entsprechend der Eigentumsgrenzen), Waldkomplexe, Landschaften, |
| praktisch nur, um die Begründung einer Bestockung zu sichern, um sie ohne weitere Eingriffe
| | Einzugsgebiete, sowie übergeordnete Gebilde (z.B. Ökokomplexe, Biome). |
| bis zu ihrer Ernte wachsen zu lassen.
| | Die komplexe Integration aller Funktionen und Bedürfnisse in den unterschiedlichen Ebenen im |
| In der Zeit des Aufbaus einer modernen Forstwirtschaft (etwa ab der Mitte des 18.
| | Sinne von integrierten mehrfachen Nutzungskonzepten wird heute als Ökosystemmanagement |
| Jahrhunderts), wurde der Wald als reservierte Domäne der Holzproduktion betrachtet.
| | verstanden. |
| Mittlerweile gilt das waldbaulich anspruchsvollere Ziel, herauszufinden, wie, auf einem
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| vorgegebenen Standort die verschiedenen unterschiedlich ausgewogenen Waldfunktionen
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| gleichzeitig erfüllt werden können. Dazu muss der Wald gleichzeitig verschiedene Leistungen
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| erbringen, die unter gegenseitigen vernünftigen Kompromissen aufeinander abgestimmt werden
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| müssen. Um zu diesem Ziel zu gelangen, wird ein optimaler Einsatz von verschiedenen
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| biologischen und technischen Massnahmen unter Berücksichtigung ihrer Wirksamkeit verlangt.
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| Immerhin, je nach Fall und je nach Wichtigkeit und Hierarchie der verschiedenen
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| Waldfunktionen, sollen die waldbaulichen Pflegemassnahmen nuanciert ausfallen. Wenn eine
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| Funktion ausnahmsweise stark dominiert, ist es also angebracht, spezifische Abstimmungen
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| der Pflegeeingriffe zu definieren.
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| Seit Schädelin (1938) verfolgte der Schweizerische Waldbau das Ziel einer möglichst hohen
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| Wertschöpfung ohne Verzicht auf andere Funktionen und insbesondere auf die Natürlichkeit
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| (bzw. Naturnähe) des Produktionssystems. Dieses Grundmodell eines naturnahen
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| Qualitätswaldbaus. Seit Jahrzehnten wird also eine kombinierte Nutzung aller wichtigen
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| Funktionen (Ressourcen) angestrebt. Heute ist das Prinzip der Multifunktionalität sehr breit
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| anerkannt.
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| '''Veränderung der Bedürfnisse'''
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| Niemand ist heute in der Lage, sicher vorherzusagen, wie sich in Zukunft die an den Wald
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| gestellten Bedürfnisse entwickeln werden und welche Sortimente z.B. in hundert Jahren gefragt
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| bzw. honoriert sein werden. Die Erfolgsaussichten am Ende der Produktionszeit der heute
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| vorherbestimmten Sortimente sind deshalb unsicher. Die Rechtfertigung der heute für die
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| Waldpflege eingesetzten Mittel kann und darf sich deshalb nicht allein nur auf den
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| wirtschaftlichen Wert der produzierten Sortimente am Ende der Umtriebszeit beziehen. Das
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| finanzielle Risiko ist umso grösser, je mehr Mittel heute für die Waldpflege eingesetzt werden.
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| Die Forstgeschichte und die Entwicklung der Holzwirtschaft zeigen uns aber, dass sich
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| Substitutionen von Holzprodukten stets v.a. auf die minderwertigen Massensortimente
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| ausgewirkt haben. Demgegenüber haben die besten Sortimente aufgrund ihrer technologischen
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| Vorteile und ihrer relativen Seltenheit immer einen interessanten Absatzmarkt
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| gefunden. Dieser Absatzmarkt war nicht immer derjenige, den man ursprünglich angenommen
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| hatte. In diesem Zusammenhang wird gerne das klassische folgende Beispiel aus Frankreich
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| erwähnt: Es handelt sich um die qualitativ hochwertigen Eichenbestände, welche im 17.
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| Jahrhundert auf Weisungen von Colbert (Minister des französischen Königs Ludwig der XIV)
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| angelegt wurden, um die zukünftige Holznachfrage der französischen Kriegsmarine zu stillen.
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| Heute werden diese Bestände zu ganz anderen Zwecken, nämlich v.a. zur Produktion von
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| hochwertigen Furnieren geerntet. Dabei ist der heutige Profit aber mindestens so hoch wie der
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| ursprünglich erhoffte. Ferner stärkt uns auch das abnehmende Interesse für Tropenhölzer in der Überzeugung, dass die Produktion von qualitativen hochwertigen Sortimenten unserer
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| vielfältigen einheimischen Holzarten eine Zukunft haben muss.
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| Die verschiedenen Arten der Pflegemassnahmen lassen sich sinnvollerweise nur so weit, wie
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| man auch die übergeordneten Ziele kennt, definieren. Weil sich nur im Falle einer hohen
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| Wertschöpfung kostspielige Waldbaumassnahmen rechtfertigen und für andere Funktionen
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| unter Umständen die Minimierung der Waldbaumassnahmen denkbar ist, ist eine Diskussion
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| der Art der Produktion, bzw. deren Kombination, gerechtfertigt. Im Abschnitt 5.1 wird auf die teilweise grundlegende Infragestellung bzw. Änderungen der
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| Produktionskonzepte eingegangen.
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| Bezüglich Produktionsziel, ob wir die Produktion von Massenware oder einer hohen
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| Wertschöpfung anstreben wollen, hat z.T. völlig andere Konsequenzen für die Waldbaukonzepte
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| zur Folge. Massenleistung ist grundsätzlich das, was die Natur selbst liefert. Weil der
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| Produktionsfaktor Zeit nichts kostet, wenn wir keine Investition in die Produktion einspeisen,
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| beruht das billigste Holzproduktionsverfahren in der Realisierung der Endnutzung eines
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| selbstgewachsenen Waldes. Um nur Massenprodukte zu erzeugen, drängt sich heute eine
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| Minimalisierung der produktionsfördernden Mittel auf, wie z.B. die Durchforstung. Erzielung von
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| Massenprodukten geht also nach dem Prinzip der Produktionskostenminimierung. Hingegen
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| fundiert das Erreichen einer hoher Wertschöpfung auf dem optimalen Verhältnis zwischen
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| Produktionskosten und Holzwertvermehrung.
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| '''Vom naturnahen Qualitätswaldbau zu einer polyvalenten naturopportunen Mehrzwecknutzung'''
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| Weil die Ökonomie sich je länger je mehr nach den Prinzipien der Kausalität verändern soll, d.h.
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| unter Berücksichtigung der Verpflichtung für Folgewirkungen aus der Gewinnung der
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| Ressourcen (Schelbert, 1996), und dies sowohl in ökologischer wie in sozialer Hinsicht, dürfen
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| weder Ökologie noch Ökonomie die Nutzungskonzepte zu einseitig prägen. Es geht also bei
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| den heutigen Nutzungen der Waldressourcen darum, eine Multifunktionalität anzustreben, die | |
| unter gleichzeitiger Bewahrung der Interessen (bzw. der Rechte) der Eigentümer, sozial und
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| ökologisch gerecht und tragbar ist.
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| Somit lässt sich die Weiterentwicklung des Waldbaus in einem Feld von drei Grössen oder
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| wichtigen Einflussfaktoren richtig verstehen, nämlich der Naturnähe, der Vielfalt (der Strukturen
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| und Arten) und der sog. Hemerobie nach Scherzinger, (1996) oder des Grades der menschlichen
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| Beeinflussung.
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