2.2.3 Umsetzungstendenzen der sozialen Stellung: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 18. Januar 2017, 17:13 Uhr
Von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der sozialen Hierarchie sind nicht nur die Positionen, sondern zeitliche Veränderungen von Interesse. Wir nennen diese Veränderungen der sozialen Stellung: Umsetzung. Die Umsetzungen fallen sowohl positiv wie negativ aus. Die sozialen Umsetzungen hängen vom Grad der gegenseitigen Bedrängung und von der Dauer des dadurch erzeugten Wettbewerbes ab. Weil die Bäume mit steigenden Platzbedürfnissen, die exponentiell zu ihrer Grösse wachsen, immer mehr Platz beanspruchen, ergibt die Summe aller sozial aufsteigenden und absteigenden Bäume mit zunehmender Entwicklung notwendigerweise ein negatives Ergebnis. Die sozial aufsteigenden Bäume sind zwar in der Minderzahl, sie haben aber waldbaulich eine grössere Bedeutung.
Bei der Analyse der sozialen Hierarchie bildet man gewöhnlicherweise zwei Gruppen: einerseits den sog. Oberstand (herrschende und mitherrschende) und andererseits den von beherrschten und unterdrückten gebildeten Unterstand. Dies ist darin begründet, weil die Elemente des Oberstandes ein gewisses Selbstentwicklungspotential aufweisen. Im oberen Bereich der Kronenschicht finden im wesentlichen die entscheidenden Vorgänge der sozialen Differenzierung statt. Die soziologische Dynamik eines Kollektives kommt hier am deutlichsten zum Ausdruck. Ein oftmals vorhandener Unterwuchs oder Nebenbestand fällt dabei ausser Betrachtung.
Eine hohe soziale Stellung verleiht einem Individuum innerhalb des Kollektives einen offensichtlichen Vorteil. Sie gibt ihnen den Positionsvorrang und daraus die grösseren Chancen, oben zu bleiben. Hier ist es wichtig zu wissen, ob in den ersten Entwicklungsstadien (Jungwuchs, Dickung) der Status des Herrschenden zufällig oder Ausdruck der besseren Veranlagung ist. <ref name="Delvaux">Delvaux, J., 1981: Différenciation sociale. Schweiz. Z. Forstwes. 132, 9: 733-749.</ref>, hat für Fichtenbestockungen, die aus Pflanzung entstanden sind, gezeigt, dass zufallsbedingte Faktoren die soziale Hierarchie beeinflussen (siehe Abb.2.6). Hier kommen offensichtlich Kleinstandortsunterschiede oder bessere Anwuchserfolge als Erklärung in Frage. Immerhin dürften die genetisch bedingten Wuchsunterschiede für die soziale Position eine Rolle spielen. Untersuchungen der genetischen Strukturen zeigen, dass herrschende Bäume einer Bestockung deutlich mehr Heterozygoten aufweisen als der Durchschnitt<ref>Geburek, Th., Thurner, G., 1993: Verändert sich der Genpool von Waldbeständen durch forstwirtschaftliche Massnahmen? Cbl. Ges. Forstwes. 110, 2:49-62.</ref>. Der Schluss der besseren Wuchsveranlagung ist naheliegend, weil die Heterozygotie mit Fitnesseigenschaften zu verbinden ist. Dies scheint aber nicht für alle Baumarten gleich zu gelten. Hussendörfer, 2001<ref>Hussendörfer, E., 2001: Beiträge zum Thema: Nachhaltigkeit genetischer Variation durch naturnahe Waldwirtschaft; dargestellt am Beispiel der Weisstanne (Abies alba Mill.). Habilitationsschrift, ETHZ, Zürich, 135 S.</ref> konnte bei der Tanne zeigen, dass eine umgekehrte Tendenz besteht. Er vermutet, dass dies mit der Eigenschaft der Schattenbaumart zusammenhängt.
Die Bäume sind nach ihrer Anfangsgrösse angeordnet, welche einigermassen den Ausdruck der genetischen Veranlagung widergeben, da während der Nachzucht im Forstgarten die Umwelt- und Wachstumsbedingungen sehr homogen sind. Die nach der Pflanzung erfolgten Veränderungen im positiven sowie im negativen Sinne erstrecken sich praktisch auf der ganzen Bandbreite, was auf einen zufallsbedingten Einfluss deutet.
Abb 2.6: Veränderung der sozialen Positionen in einer Fichtenpflanzung zwischen 3 und 10 Jahren. (nach einem Versuch von Delvaux, 1981)<ref name="Delvaux">Delvaux, J., 1981: Différenciation sociale. Schweiz. Z. Forstwes. 132, 9: 733-749.</ref>.
Referenzen
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Das Ausmass der Konkurrenz in der Bestockung dürfte soziale Positionsänderungen und sowohl positive wie negative Umsetzungen beeinflussen. In einem weiteren Versuch mit Fichtenpflanzungen konnte Delvaux (1981) <ref>Delvaux, J., 1981: Différenciation sociale. Schweiz. Z. Forstwes. 132, 9: 733-749.</ref> zeigen, dass die soziale Hierarchie anders läuft, wenn man den Wettbewerb kontrolliert oder wenn kein Wettbewerb herrscht. Ohne allzu starker Wettbewerb setzen sich ursprünglich Mitherrschende wesentlich positiver um. Das bedeutet, dass Mitherrschende durchaus eine Chance besitzen, gute Leistungen zu erzeugen, wenn sie nicht zufälligerweise durch Nachbarn in dieser Entwicklung verdrängt wurden (siehe Abb. 2.7). Dadurch wird die entscheidende Wirkung des Wettbewerbes auf die Regulierung der sozialen Hierarchie innerhalb einer Bestockung aufgezeigt.
Abb. 2.7: Soziale Entwicklung unterschiedlicher sozialen Klassen in Fichtenpflanzungen mit und ohne Wettbewerb zwischen 5 und 8 Jahren. Bestimmend für die soziale Stellung ist die erreichte Höhe (in Abzisse). Die zwei Kollektive D (Dominierende am Versuchsbeginn) und M (Mitherrschende) weisen vier Jahre nachher eine andere Höhenposition auf, wenn sie in hohen Wettbewerbsbedingungen wachsen (kleine Buchstaben) im Gegensatz zu Wuchs ohne Konkurrenz (grosse Buchstaben). Der bessere Teil der Mitherrschenden ohne Konkurrenz (M) erreicht grössere Höhen als einige ursprünlich Dominierende (D) wie auch Konkurrenzierte (d).
Referenzen
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