2.1 Die Formen der Waldentwicklung oder der Sylvigenese: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Wiki Waldmanagement
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(12 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
<span style="background-color: #f9f9f9; border: 1px solid #AAAAAA; padding: 5px; margin-bottom: 5px; position: absolute; right: 0; top: -37px">[[Inhaltsverzeichnis | Zum Inhaltsverzeichnis]]</span>
Wie auch im Naturwald vorkommend, kennt der Waldbau hauptsächlich zwei Grundformen der
Wie auch im Naturwald vorkommend, kennt der Waldbau hauptsächlich zwei Grundformen der
Sylvigenese (natürliche Waldentwicklung), gekennzeichnet im grossen und ganzen durch die
Sylvigenese (natürliche Waldentwicklung), gekennzeichnet im grossen und ganzen durch die
Art und Weise der Erneuerung bei der Ablösung der Generation sowie der Form der Erziehung
Art und Weise der Erneuerung bei der Ablösung der Generation sowie der Form der [[Erziehung]] nämlich:
nämlich:


Die spontane kontinuierliche Erneuerung und Verselbständigung der Produktion, wie sie
Die spontane kontinuierliche Erneuerung und Verselbständigung der Produktion, wie sie
im perfekten ungleichförmigen Wald oder Plenterwald erscheint, d.h. in einem Wald
im perfekten [[hatVertikale Struktur::Ungleichförmiger Bestand|ungleichförmigen Wald]] oder [[hatBestandesform::Plenterwald|Plenterwald]] erscheint, d.h. in einem Wald
ohne nennenswerte Unterbrechung des Waldgefüges. Diese Formen mit vertikalem
ohne nennenswerte Unterbrechung des Waldgefüges. Diese Formen mit vertikalem
Mischungsprinzip, nämlich Plenterung, Mittelwaldbetrieb und lichter Hochwald werden im
Mischungsprinzip, nämlich [[hatBestandesform::Plenterwald|Plenterung]], [[hatBestandesform::Mittelwald|Mittelwaldbetrieb]] und lichter [[hatBestandesform::Hochwald|Hochwald]] werden im
Skript „Die Plenterung und ihre unterschiedliche Formen“ behandelt. Im Fall des
Skript „Die Plenterung und ihre unterschiedliche Formen“ behandelt. Im Fall des [[hatBestandesform::Plenterwald|Plenterwaldes]] ermöglicht eine innige Mischung aller Baumalter, dass die gesamte
Plenterwaldes ermöglicht eine innige Mischung aller Baumalter, dass die gesamte
Sylvigenese im Schutz der ältesten Bäume abläuft. Durch ein harmonisches
Sylvigenese im Schutz der ältesten Bäume abläuft. Durch ein harmonisches
Nebeneinander bilden diese Bäume den Überbau, unter dem sich die jüngsten entwickeln
Nebeneinander bilden diese Bäume den Überbau, unter dem sich die jüngsten entwickeln
Zeile 16: Zeile 16:
sicherstellt.
sicherstellt.


Die Walderneuerung mit klarer '''Ablösung der Generationen''' und Erziehung im Rahmen
Die Walderneuerung mit klarer '''Ablösung der Generationen''' und [[Erziehung]] im Rahmen
eines Kollektivs (wie z.B. im Femelschlagsystem) ist Inhalt dieses Skriptes (siehe Abb.
eines Kollektivs (wie z.B. im Femelschlagsystem) ist Inhalt dieses Skriptes (siehe Abb.
2.1). Im gleichförmigen Hochwald spielt der Wettbewerb in der kompakten Schicht der
2.1). Im [[hatVertikale Struktur::Gleichförmiger Bestand|gleichförmigen]] [[hatBestandesform::Hochwald|Hochwald]] spielt der [[Wettbewerb]] in der kompakten [[Schicht|Schicht]] der
Kronen eine entscheidende Rolle. Die Bestockung bildet einen mehr oder weniger
Kronen eine entscheidende Rolle. Die Bestockung bildet einen mehr oder weniger
homogenen Gebilde aus dicht gedrängten und horizontal angeordneten Kronen. Da der
homogenen Gebilde aus dicht gedrängten und horizontal angeordneten Kronen. Da der
Kronenraum des Einzelbaumes mit der Baumhöhe exponentiell zunimmt, ist die
Kronenraum des Einzelbaumes mit der Baumhöhe exponentiell zunimmt, ist die
Konkurrenz umso ausgeprägter, je schneller das Wachstum und je dichter und
[[Wettbewerb|Konkurrenz]] umso ausgeprägter, je schneller das Wachstum und je dichter und
lichtundurchlässiger die Kronen sind. In Beständen, die von Natur aus oder anthropogen
lichtundurchlässiger die Kronen sind. In Beständen, die von Natur aus oder anthropogen
bedingt nur aus einer Baumart bestehen, ist diese Konkurrenzsituation besonders gut
bedingt nur aus einer Baumart bestehen, ist diese [[Wettbewerb|Konkurrenzsituation]] besonders gut
sichtbar. Die Kronen befinden sich alle auf derselben Höhe, so dass der Kampf um Raum
sichtbar. Die Kronen befinden sich alle auf derselben Höhe, so dass der Kampf um Raum
für die Entwicklung in einem sehr beschränkten Höhenbereich stattfindet.
für die Entwicklung in einem sehr beschränkten Höhenbereich stattfindet.
Zeile 33: Zeile 33:
der flächenweisen Ablösung der
der flächenweisen Ablösung der
Generationen. Hier kommt eine Form
Generationen. Hier kommt eine Form
des Wettbewerbes im Schosse der
des [[Wettbewerb|Wettbewerbes]] im Schosse der
Wettbewerbsgemeinschaft zustande,
Wettbewerbsgemeinschaft zustande,
im Rahmen geschichteter, gleichförmiger
im Rahmen geschichteter, [[hatVertikale Struktur::Gleichförmiger Bestand|gleichförmiger]] Kronenstrukturen, und hier gilt
Kronenstrukturen, und hier gilt
die [[Kollektive Erziehung|kollektive Erziehung]].
die kollektive Erziehung.




'''Weitere Form der Sylvigenese im Hochgebirgswald: Bildung von Kampfgemeinschaften oder Rotte'''
====Weitere Form der Sylvigenese im Hochgebirgswald: Bildung von Kampfgemeinschaften oder Rotte====


Als besondere weitere Form der Sylvigenese gilt für die subalpinen Wälder (etwa ab 1500 m
Als besondere weitere Form der Sylvigenese gilt für die subalpinen Wälder (etwa ab 1500 m
Meereshöhe) eine Strukturierung in natürlicher Kampfgemeinschaft der Kleinkollektive oder
Meereshöhe) eine Strukturierung in natürlicher Kampfgemeinschaft der Kleinkollektive oder
sog. Rotte[[Referenz::Kuoch et al.;1970;Kuoch, R., Amiet, R., 1970 : Die Verjüngung im Bereich der oberen Waldgrenze der Alpen mit Berücksichtigung von Vegetation und Ablegerbildung. Mitt. Eidg. Anst. Forstl.Versuchswes. 46: 159-328.| ]]<ref>Kuoch, R., Amiet, R., 1970 : Die Verjüngung im Bereich der oberen Waldgrenze der Alpen mit Berücksichtigung von Vegetation und Ablegerbildung. Mitt. Eidg. Anst. Forstl.Versuchswes. 46: 159-328.</ref>[[Referenz::Kuoch;1972;Kuoch, R. 1972 : Zur Struktur und Behandlung von subalpinen Fichtenwälder. Schweiz. Z. Forstwes. 123 : 77-89.| ]]<ref>Kuoch, R. 1972 : Zur Struktur und Behandlung von subalpinen Fichtenwälder. Schweiz. Z. Forstwes. 123 : 77-89.</ref>. Sie bewirken Selbstschutz und weisen einen gemeinsamen Kronenmantel auf (siehe Abb. 2.2). Auch wenn diese Rotten mit der Zeit zusammenwachsen, ist diese ursprüngliche Strukturierung in Kleinkollektiven auch in ausgewachsenen Bestockungen oftmals erkennbar. Die Rottenstruktur kommt aber nicht überall zustande, sondern nur dort, wo die äussere Einwirkung auf den Wald ausgeprägt ist.
sog. Rotte[[Referenz::Kuoch et al.;1970;Kuoch, R., Amiet, R., 1970 : Die Verjüngung im Bereich der oberen Waldgrenze der Alpen mit Berücksichtigung von Vegetation und Ablegerbildung. Mitt. Eidg. Anst. Forstl.Versuchswes. 46: 159-328.| ]]<ref>Kuoch, R., Amiet, R., 1970 : Die Verjüngung im Bereich der oberen Waldgrenze der Alpen mit Berücksichtigung von Vegetation und Ablegerbildung. Mitt. Eidg. Anst. Forstl.Versuchswes. 46: 159-328.</ref>[[Referenz::Kuoch;1972;Kuoch, R. 1972 : Zur Struktur und Behandlung von subalpinen Fichtenwälder. Schweiz. Z. Forstwes. 123 : 77-89.| ]]<ref>Kuoch, R. 1972 : Zur Struktur und Behandlung von subalpinen Fichtenwälder. Schweiz. Z. Forstwes. 123 : 77-89.</ref>. Sie bewirken Selbstschutz und weisen einen gemeinsamen [[Kronenmantel|Kronenmantel]] auf (siehe Abb. 2.2). Auch wenn diese Rotten mit der Zeit zusammenwachsen, ist diese ursprüngliche Strukturierung in Kleinkollektiven auch in ausgewachsenen Bestockungen oftmals erkennbar. Die Rottenstruktur kommt aber nicht überall zustande, sondern nur dort, wo die äussere Einwirkung auf den Wald ausgeprägt ist.


[[Image: abb_2.2.png|300px]]
[[Image: abb_2.2.png|300px]]
Zeile 54: Zeile 53:
==Referenzen==
==Referenzen==
<references/>
<references/>
[[Category: Bestandesform]]
[[Category: Wettbewerb]]
__SHOWFACTBOX__

Aktuelle Version vom 28. Februar 2017, 22:25 Uhr

Zum Inhaltsverzeichnis

Wie auch im Naturwald vorkommend, kennt der Waldbau hauptsächlich zwei Grundformen der Sylvigenese (natürliche Waldentwicklung), gekennzeichnet im grossen und ganzen durch die Art und Weise der Erneuerung bei der Ablösung der Generation sowie der Form der Erziehung nämlich:

Die spontane kontinuierliche Erneuerung und Verselbständigung der Produktion, wie sie im perfekten ungleichförmigen Wald oder Plenterwald erscheint, d.h. in einem Wald ohne nennenswerte Unterbrechung des Waldgefüges. Diese Formen mit vertikalem Mischungsprinzip, nämlich Plenterung, Mittelwaldbetrieb und lichter Hochwald werden im Skript „Die Plenterung und ihre unterschiedliche Formen“ behandelt. Im Fall des Plenterwaldes ermöglicht eine innige Mischung aller Baumalter, dass die gesamte Sylvigenese im Schutz der ältesten Bäume abläuft. Durch ein harmonisches Nebeneinander bilden diese Bäume den Überbau, unter dem sich die jüngsten entwickeln können. Die Struktur ist so zusammengesetzt, dass sie eine kontinuierliche Erneuerung in einem demographisch autarken Verhältnis erlaubt und dadurch die Nachhaltigkeit sicherstellt.

Die Walderneuerung mit klarer Ablösung der Generationen und Erziehung im Rahmen eines Kollektivs (wie z.B. im Femelschlagsystem) ist Inhalt dieses Skriptes (siehe Abb. 2.1). Im gleichförmigen Hochwald spielt der Wettbewerb in der kompakten Schicht der Kronen eine entscheidende Rolle. Die Bestockung bildet einen mehr oder weniger homogenen Gebilde aus dicht gedrängten und horizontal angeordneten Kronen. Da der Kronenraum des Einzelbaumes mit der Baumhöhe exponentiell zunimmt, ist die Konkurrenz umso ausgeprägter, je schneller das Wachstum und je dichter und lichtundurchlässiger die Kronen sind. In Beständen, die von Natur aus oder anthropogen bedingt nur aus einer Baumart bestehen, ist diese Konkurrenzsituation besonders gut sichtbar. Die Kronen befinden sich alle auf derselben Höhe, so dass der Kampf um Raum für die Entwicklung in einem sehr beschränkten Höhenbereich stattfindet.

Abb. 2.1 : Der Waldentwicklungstyp der flächenweisen Ablösung der Generationen. Hier kommt eine Form des Wettbewerbes im Schosse der Wettbewerbsgemeinschaft zustande, im Rahmen geschichteter, gleichförmiger Kronenstrukturen, und hier gilt die kollektive Erziehung.


Weitere Form der Sylvigenese im Hochgebirgswald: Bildung von Kampfgemeinschaften oder Rotte

Als besondere weitere Form der Sylvigenese gilt für die subalpinen Wälder (etwa ab 1500 m Meereshöhe) eine Strukturierung in natürlicher Kampfgemeinschaft der Kleinkollektive oder sog. Rotte<ref>Kuoch, R., Amiet, R., 1970 : Die Verjüngung im Bereich der oberen Waldgrenze der Alpen mit Berücksichtigung von Vegetation und Ablegerbildung. Mitt. Eidg. Anst. Forstl.Versuchswes. 46: 159-328.</ref><ref>Kuoch, R. 1972 : Zur Struktur und Behandlung von subalpinen Fichtenwälder. Schweiz. Z. Forstwes. 123 : 77-89.</ref>. Sie bewirken Selbstschutz und weisen einen gemeinsamen Kronenmantel auf (siehe Abb. 2.2). Auch wenn diese Rotten mit der Zeit zusammenwachsen, ist diese ursprüngliche Strukturierung in Kleinkollektiven auch in ausgewachsenen Bestockungen oftmals erkennbar. Die Rottenstruktur kommt aber nicht überall zustande, sondern nur dort, wo die äussere Einwirkung auf den Wald ausgeprägt ist.

Abb. 2.2 : Spezieller Waldentwicklungstyp in Kampfkollektiven (Rotten) im Hochgebirgswald (subalpin).

Referenzen

<references/>